5 Geschlechtsspezifische Unterschiede bei psychischen Erkrankungen
Shownotes
Mit Dr. med. Antonella Santuccione Chadha bespreche ich die Unterschiede in der Gehirngesundheit von Frauen im Vergleich zu Männern. Von Chromosomen und Hormonen bis zu Forschung und Versorgung. Warum ist es wichtig, geschlechtsspezifische präklinische und klinische Forschung zu unterstützen? Weshalb sind diese Erkenntnisse vor allem im Bereich der Pharmakotherapie relevant für die Behandlung und Versorgung dieser Erkrankungen? Ein wichtiges Thema in unserem Gespräch ist auch die Rolle von Women’s Brain Capital als Konzept, um die kognitive und emotionale Leistungsfähigkeit von Frauen zu stärken und langfristig zu sichern und warum sich das lohnt.
Obwohl Frauen eine höhere Lebenserwartung als Männer haben, verbringen sie rund 25 % mehr ihres Lebens mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Psychiatrische und neurologische Erkrankungen treten bei Frauen insgesamt häufiger auf: Sie sind etwa doppelt so oft von Depressionen und Angststörungen betroffen und entwickeln häufiger Essstörungen. Auch ADHS wird bei Frauen meist erst spät – häufig erst im Erwachsenenalter – diagnostiziert, wobei sich die Häufigkeit an jene der Männer angleicht. Zwei Drittel aller an Alzheimer-Demenz Erkrankten sind Frauen. Während Schizophrenie bei Männern häufiger in der Jugend diagnostiziert wird, zeigt sich bei Frauen ein Anstieg der Diagnosen ab dem 60. Lebensjahr. Migräne betrifft zu etwa 80 % Frauen, wobei die ersten Symptome häufig bereits in der Pubertät auftreten. Dies verweist auf einen deutlichen Einfluss weiblicher Hormone auf die psychische Gesundheit – insbesondere in sensiblen Lebensphasen wie Pubertät, Menarche, Schwangerschaft, Wochenbett und Menopause. In diesen Phasen steigt die Vulnerabilität für psychische und neurologische Erkrankungen deutlich.
Darüber hinaus sind Frauen verstärkt Risikofaktoren ausgesetzt, die mit der Entstehung psychiatrischer und neurodegenerativer Erkrankungen in Verbindung stehen: geschlechtsspezifische Gewalterfahrungen mit erhöhtem Risiko für posttraumatische Belastungsstörungen, eingeschränkter Zugang zu Bildung, ein niedrigerer sozioökonomischer Status, Armut sowie die Mehrfachbelastung durch unbezahlte Care-Arbeit betreffen Frauen überdurchschnittlich häufig.
Literatur: • Sex differences in clinically diagnosed psychiatric disorders over lifespan: a nationwide register-based study in Sweden. Yang et al. The Lancet. Vol. 47December, 2024.
• Why menstrual cycle irregularities belong in brain research. Heller et al. Nature Medicine. 13 August 2025.
• Women’s brain health and brain capital. Castro-Aldrete et al. Nature Mental Health. Perspective.12 May 2025.
• Sex and gender differences in mental disorders. Riecher-Rössler et al. The Lancet. Vol 4 January 2017.
• National plans and awareness campaigns as priorities for achieving global brain health. Winter et al. The Lancet. Vol 12 April 2024
Psychiatrie und Psychotherapie Konzeption: Rosilla Bachmann Heinzer & Dominic Dillier Redaktion: Rosilla Bachmann Heinzer Produktion: Dominic Dillier @ Büro GDL Bild: Stephan Lütolf, Grafik: Orkan Design GmbH
Neuer Kommentar